Clinch in loops!

[English below]

Es ist nun schon ein paar Jahre her, seit ich angefangen habe im Bereich Muay Thai als Trainer tätig zu sein. Über die Zeit entwickelt man so seine Methoden und Tricks um den Leuten die Bewegungsabläufe und Ideen auch in den Kopf zu kriegen. Meiner Erfahrung nach ist Struktur und Wiederholung für viele Schüler der beste Weg schnell und effizient neue Bewegungen, Techniken und Abläufe zu erlernen. Damit meine ich explizit nicht eine Liste von Techniken jeweils 200 Mal vor dem Spiegel ausführen zu lassen. Besser finde ich:

  1. Die Technik zeigen in einfachem Kontext und üben lassen – Wie macht man diese Technik richtig (grob!) und wann machen wir die Technik (grob)
  2. Die Technik in komplexerem Kontext zeigen und erneut üben lassen – Wie macht man diese Technik richtig (penibler!) und wann machen wir die Technik(genauer und tiefgehender!)

Das ganze kann beliebig fortgesetzt werden, Techniken etwa eine Woche und nochmals einen Monat später noch einmal kurz in anderem Kontext (Sandsack, Pratzen, Sparring) in Erinnerung zu rufen, macht diese Methode noch effizienter. Nun ist das ganze keineswegs ein neues Feld, tausende Lehrer in den Schulen und Universitäten treibt diese Frage noch viel elementarer um als mich – für mich ist es schließlich „nur“ eine Leidenschaft. Und wenn ich als Sportler eines gelernt habe, dann ist es, dass es ein großer Fehler ist, nicht von Experten auf dem jeweiligen Feld zu lernen. Lehrer und Dozenten an Hochschulen – didaktische Vollprofis! – würden niemals versuchen komplizierte Zusammenhänge zu vermitteln, ohne ein Tafelbild, eine Präsentation und Notizblöcke oder Handouts für die Schüler und Studenten. Wir können diese Leistung im Kampfsport nicht regelmäßig erbringen, trotzdem empfand ich den Mangel an Visualisierung gerade in Seminaren immer als Makel der Kampfsportarten. Wir sollten – wie alle anderen Wissensvermittler – nicht auf die Macht der Visualisierung verzichten müssen!

Das brachte mich dazu, ein System für Clinch-Visualisierung zu entwickeln, anhand derer ich den in Süd-Thailand populären long-distance clinch systematisch aufgearbeitet habe. Die Darstellung der Abfolgen und System-Ideen basiert auf der typischen Darstellung von UML-Diagrammen, die typischerweise in der Software-Architektur verwendet werden. Dementsprechend war das dafür passende Lehrformat ein Seminar, betitelt „Clinch in loops!“. Das erste Mal vorgestellt habe ich dieses in Freiburg, beim Wettkampfteam von Gregor Herbs „Fight Bros“, welche sich 2×2 Stunden an einem Samstag durch die Halle gequält haben. Da ich jüngst aus beruflichen Gründen nach Mannheim gezogen bin, kommt dieser Post reichlich spät. Ich beginne gerade mit der Digitalisierung des Seminarmaterials, die Teilnehmer bekommen zu allen Unterlagen nach dem Seminar Zugang, um sich an die Techniken zu erinnern.
Mein weitergehender Plan ist, alle Abfolgen und Techniken noch auf Video aufzunehmen und ebenfalls in einen geschlossenen Bereich der Homepage zu stellen um sie für die Schüler in den Gyms in denen ich unterrichte zugänglich zu halten und einen Austausch zu schaffen.

Ob ich mir hier zu viel vorgenommen habe, wird die Zeit noch zeigen 🙂

Ein Beispiel möchte ich schon einmal vorweg nehmen. Der klassische fast gleichzeitige Wechsel vom 50/50 (jeder hat jeweils einen Ellenbogen inside, die andere Hand kontrolliert den Ellenbogen des Partners) – mit dem Ziel einer Positionsverbesserung – in den inversen 50/50 ergibt die unten gezeigte Visualisierung. Bisher sind das alles nur Photos der original Seminar-Materialien zur Notation und dem long distance system. Sollte ich irgendwann einmal die Zeit und die Muße haben das ganze digital zu gestalten, werde ich die nachliefern 🙂

Anderer Meinung? Meiner Meinung? Lasst uns auf Facebook diskutieren 🙂

Sportliche Grüße,

Chris

 

English translation:

It’s been a few years since I started working as a trainer in Muay Thai. Over time you develop your methods and tricks in order to get  movement sequences, techniques and ideas into the students heads. In my experience, structure and repetition are the best way for many students to quickly and efficiently learn new movements, techniques and procedures. By this I mean explicitly not to have a list of techniques performed 200 times in front of the mirror. Far better, in my opinion, is the following approach of context aware repetition:

1. Show the technique in a simple context and practice – How to perform this technique correctly (roughly!) and when do we use the technique (roughly)?
2. Show the technique in a more complex context and have it practiced again – How to execute this technique properly (more meticulous!) and when to choose exactly this technique (more precise and deeper!)

 

This can be continued at will, to recall techniques about a week later and another month later again briefly in another context (sandbag, thaipads, sparring), which makes this method even more efficient. Now the whole thing is by no means a new field, thousands of teachers in schools and universities are asking this question even more fundamentally than me – after all, for me it is „only“ a passion,  not a real job. And if I’ve learned one thing as an athlete, it’s that it’s a big mistake not to learn from experts on the field. Teachers and lecturers at universities – didactic professionals! – would never try to convey complicated connections without a blackboard, a presentation and notepads or handouts for the pupils and students. We can’t do this in martial arts training on a regular basis, nevertheless I always felt the lack of visualization especially in seminars as a flaw of martial arts. We should – like all other knowledge mediators – not have to avoid the power of visualization!

This led me to develop a system for clinch visualization, on the basis of which I systematically processed the long-distance clinch popular in southern Thailand. The representation of sequences and system ideas is based on the typical representation of UML diagrams typically used in software architecture. Accordingly, the appropriate teaching format was a seminar titled „Clinch in loops“. The first time I presented it was in Freiburg, at the competition team of Gregor Herbs „Fight Bros“, who tortured themselves 2×2 hours on a Saturday through the hall. Since I recently moved to Mannheim for professional reasons, this post comes rather late. I am just beginning to digitize the seminar material, the participants will have access to all documents after the seminar in order to remember the techniques.
My further plan is to record all sequences and techniques still on video and also to put them in a closed area of the homepage in order to keep them accessible for the students in the gyms in which I teach and to create an exchange.

If I have done too much here, time will tell 🙂

I would like to give you one example. The classic almost simultaneous change from 50/50 (each has one elbow inside, the other hand controls the elbow of the partner) – with the aim of improving the position – to the inverse 50/50 results in the visualization shown below. So far these are only photos of the original seminar material for notation and the long distance system. If I should have the time and the leisure sometime once to arrange the whole digitally, I will deliver them in addition 🙂

Do you agree? Maybe disagree? Let“s discuss in facebook 🙂

Kindest regards and chok dee,

Chris

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